Dieser Beitrag gibt den Inhalt der Verordnung wieder. Er ist keine Rechtsberatung und keine Beurteilung Ihres Einzelfalls.
In etwas mehr als vier Wochen, am 2. August 2026, werden die Transparenzpflichten des AI Act anwendbar. Sie sind die Bestimmungen, die im Alltag am sichtbarsten sind, weil sie nicht in einer Akte enden, sondern auf der Website und in der Kundenkommunikation.
Der Grundgedanke ist schlicht: Menschen sollen wissen, wann sie mit einer Maschine sprechen und wann ein Inhalt künstlich erzeugt wurde. Das ist keine hohe Hürde. Die Arbeit liegt selten in der Umsetzung, sondern darin, überhaupt alle Berührungspunkte zu finden.
Wo Unternehmen die Berührungspunkte übersehen
Der Chatbot auf der Startseite ist offensichtlich. Weniger offensichtlich ist der Rest, und genau dort entstehen die Lücken:
- Die automatische Erstantwort im Mail Postfach, die inzwischen mehr formuliert als bestätigt.
- Der Sprachassistent an der Telefonanlage, der Anliegen aufnimmt und weiterleitet.
- Das Kontaktformular mit Vorschlagsfunktion, die Antworten vorformuliert.
- Produktbeschreibungen und Blogtexte, die mit einem Werkzeug erzeugt und danach nur leicht bearbeitet wurden.
- Bilder auf Landingpages, die nicht fotografiert, sondern erzeugt wurden.
In fast jedem Betrieb, in dem wir diese Aufnahme gemacht haben, kam mindestens ein Punkt zutage, von dem die Geschäftsführung nichts wusste. Das ist kein Vorwurf, sondern die Folge davon, dass diese Funktionen häufig als Produktverbesserung eines bestehenden Werkzeugs dazukommen, ohne dass jemand sie einführt.
Wie eine Kennzeichnung aussieht, die niemanden stört
Der häufigste Einwand lautet, eine Kennzeichnung wirke abschreckend. Die Erfahrung spricht dagegen, wenn sie sachlich formuliert ist und gleich sagt, was der Kunde davon hat und wie er zu einem Menschen kommt.
- 1.Im ersten Chatfenster ein Satz: dass hier ein automatischer Assistent antwortet, wofür er zuständig ist und wie man eine Person erreicht.
- 2.Beim Telefonassistenten dieselbe Information in der Ansage, bevor das Anliegen aufgenommen wird.
- 3.Bei erzeugten Inhalten eine interne Regel, welche Inhalte gekennzeichnet werden und wer das vor Veröffentlichung prüft.
- 4.Eine kurze Seite oder ein Abschnitt, der beschreibt, wo im Unternehmen KI eingesetzt wird. Das beantwortet Kundenfragen, bevor sie gestellt werden.
Der Weg zum Menschen ist dabei der Punkt, der über die Wirkung entscheidet. Ein Assistent, der klar sagt, dass er ein Assistent ist, und im nächsten Satz einen Ausweg anbietet, wird als Service gelesen. Einer, der so tut als wäre er ein Mitarbeiter und den Kunden im Kreis schickt, wird als Hürde gelesen.
Die Wochen bis Anfang August sinnvoll nutzen
Für ein kleines oder mittleres Unternehmen ist das kein Projekt, sondern eine Handvoll Termine: die Berührungspunkte aufnehmen, die Texte formulieren, an drei bis vier Stellen einbauen, und intern festhalten, wer künftig prüft, bevor etwas Neues online geht. Der letzte Punkt ist der, der verhindert, dass die Lücke in einem halben Jahr wieder da ist.
Wenn Sie nicht sicher sind, an wie vielen Stellen in Ihrem Unternehmen Kunden bereits mit einem System sprechen: genau diese Aufnahme machen wir, und sie dauert selten länger als zwei Tage.